CHRONIK CHRISTOPHORUS 2

 

Am Anfang war das Nichts. Jedoch nicht einmal 2 Monate nach Inbetriebnahme von Christophorus 1, dem ersten österreichischen Notarzthubschrauber in Innsbruck, wurde am 24.08.1983 der Hubschrauber AS 355 "Twin Ecureuil" mit dem Kennzeichen OE-FXB nach Krems überstellt und Vertretern der Politik und des ÖRK Landesverband für Niederösterreich als Christophorus 2 vorgestellt. Nach endgültiger Fertigstellung der Inneneinrichtung am Flugplatz Gneixendorf erfolgte die feierliche Übergabe und Segnung am 26.08.1983 im Stadion und die Stationierung direkt beim a.ö.Krankenhaus der Stadt Krems.

Die Grundausbildung der zukünftigen Crew wurde am 27.08.1983 durch Cpt. J.-P.Brunner, Dr. W.Phleps, W.Mikschik und E.Neuner im Areal des Krankenhauses und im Fußballstadion durchgeführt.

 

Am 01.09.1983 nahm Christophorus 2 mit der Mannschaft:
Pilot Cpt. J.-P. Brunner, Flugrettungsarzt UnivProf Prim Dr. H. Martinek und Flugrettungssanitäter H. Stiegler seinen Dienst auf.

Anfangs war die Sache natürlich nicht so einfach. Zur äußerst zögernden Anforderung der Einsätze kam die Unterbringung der Dienstmannschaft im letzten, zum Abbruch bestimmten Teil des alten Krankenhauses, die etwas beengt war. Erst nach einem halben Jahr wurde der Stützpunktbereich, über der Pathologie gelegen, von einem Zimmer (daher heute noch bei vielen Leuten der Ausdruck "Hubschrauberzimmer" gebräuchlich) auf drei Räume erweitert.

Im Laufe des Jahres 1986 übersiedelte der Stützpunkt in die neuen Räumlichkeiten im Portiergebäude wo er heute noch beheimatet ist.

 

Der Hubschrauber stand zwar immer schon auf einem schönen Landeplatz gleich neben den Diensträumen und in unmittelbarer Nähe der Notfallaufnahme, nur auf diesem stand er Tag und Nacht, jahraus, jahrein. Die Betankung erfolgte aus Fässern, die in einem VW-Bus transportiert und in Gneixendorf aus einem, eigens für uns stationierten, ausgeschiedenen Vorfeldftankfahrzeug aus Schwechat wiederbefüllt wurden.

 

Auf Grund der beengten Verhältnisse im Krankenhausareal war es nicht möglich, einen normalen Hangar zu bauen. So wurde der Hubschrauber am Abend in seine maßgeschneiderten Planen eingepackt und am Morgen wieder ausgezogen. Diese Prozedur war nicht nur zeitaufwendig sondern auch sehr mühevoll. Auch wurde mit den Planen kein optimaler Schutz des doch sehr sensiblen "Eichhörnchens" erzielt.

 

Da ein Hangarbau nicht in Aussicht gestellt war, übersiedelte der Stützpunkt am 9.Dezember 1986 in sein Winterquartier, einen Wohnwagen neben dem Hangar am Flugplatz Gneixendorf. (Diese Art der Lösung ist ja den alten Kollegen von Christophorus 1 bestens bekannt).

Ausgerechnet in diesem Winter sanken die Temperaturen auch im sonst doch eher warmen Osten weit unter die -20° Grenze. Wir mußten nicht nur mit dem Schnee, der in diesem Winter ausnahmsweise auch bei uns in ausreichendsten Mengen gefallen ist, sondern auch noch mit der Batterie des geliehenen Traktors und den Gasflaschen der Wohnwagenheizung kämpfen. Diese Kämpfe führten dann doch zu der Einsicht, eine Lösung für einen Hangar im Bereich des Krankenhauses zu suchen.

 

Da Not bekannterweise erfinderisch macht, fand sich die Lösung in einem unterirdischen Bauwerk. Die "Flugzeugträger-Idee" war geboren. Nach nur kurzer Anlaufzeit nahm man den Bau in Angriff, was wiederum ein Übersiedeln des Landeplatzes nötig machte. Diesmal war es der Parkplatz vor dem Krankenhaus.

 

Hier wurde kurzerhand ein Zaun errichtet und der Hubschrauber ins Reservat gestellt. Diese Lösung war zwar nicht sehr befriedigend, ein Zwischentransport mittels Rettungsfahrzeug war notwendig, reichte jedoch aus um die kurze Bauzeit für Hangar und Flugplatzneubau zu überbrücken.

 

Am 13.11.1987 ist der Hubschrauber auf seinen neuen Standort "Flugplatz Krems-Krankenhaus" mit der Kennung LOAK überstellt worden. Der Hangar wurde am 25.11.1987 in Form eines feierlichen Festes unter Beisein hoher und höchster Persönlichkeiten aus In- und Ausland seiner Bestimmung übergeben. Seit diesem Zeitpunkt ist es nicht nur möglich den Hubschrauber optimal unterzustellen und zu warten, es sind auch Lagermöglichkeiten für Medikamente und Material im geheizten Hangar untergebracht. Die Betankung erfolgt nun aus der hauseigenen, 10.000 l fassenden Tankstelle, die direkt von der Straße aus zu befüllen ist. Durch die Installaton einer Befeuerung war es möglich, den Flugplatz auch für Nachtsichtflüge zuzulassen.

 

Am 24.01.1990 hatte unsere geliebte und rauchende OE-FXB ihre Schuldigkeit im Rettungsdienst getan und wurde durch die ehemals als Christophorus 1 und danach als Christophorus 3 verwendete OE-FXA ersetzt.

 

Ende 1994 wurde dann der, uns schon seit Jahren versprochene zusätzliche Raum endlich dem Stützpunkt angegliedert. Der Umbau des Raumes zog sich zwar wieder etwas in die Länge, konnte jedoch dann doch abgeschlossen werden. So ist es uns gelungen, in nahezu 13 Jahren doch einen optimalen Stützpunkt zu erhalten, der von Interessierten gerne besucht werden kann.

Ende 1997, 10 Jahre nach der Errichtung, war es dann an der Zeit, unsere Scherenhebebühne einer Generalsanierung zu unterziehen. Nach der, Anfang 1998 erfolgten Ausschreibung stellte sich jedoch heraus, daß eine Neuerrichtung kostengünstiger als das „Aufrüsten“ der alten Anlage ist. So wurde am 16.07.1998 der Auftrag zur Neuerrichtung erteilt und am 02.09.1998 das „Blaue Monster“ und unsere alte Landeplattform abgebaut und abtransportiert. Fast auf den Tag genau nach 11 Jahren begann damit wieder der Neubau einer Hebeanlage für unseren Hubschrauber, diesmal jedoch eine „Hyperspeedhebebühne“ mit einer motorbetrieben Landeplattform. Nach Fertigstellung dieser Anlage ist es nun möglich, mit nur einem Knopfdruck, den Hubschrauber automatisch aus dem Hangar zu holen. Dies verkürzt die Zeit bis zum Abflug enorm, wenn der Hubschrauber, wetterbedingt, speziell in den Wintermonaten im Hangar steht.

10. Juni 1999: Ein neues Zeitalter bricht an.

 

Bedingt durch gesetzliche Regelungen muß die gesamte Hubschrauberflotte umgestellt werden. Auf den Stützpunkten in Tirol ist dies schon geschehen. Nun ist es auch bei Christophorus 2 so weit. Nach einer aufwendigen Schulung des Personals, die Flugrettungssanitäter wurden als HEMS Crew Member eingeschult, fliegt die EC 135 T1 mit dem Kennzeichen OE-XEE Ihren ersten Einsatz. Ein Verlegungsflug eines Babys von Scheibbs nach St. Pölten ist der erste Einsatz unserer „Neuen“.

Unsere gute FXA kam als ITH nach Wiener Neustadt zurück.

Aufgrund von geplanten Umbauarbeiten im Krankenhaus Krems musste ein neuer Standort für den Stützpunkt gesucht werden. Nach einigen Gesprächen zwischen dem Land NÖ, dem Flugplatzhalter und dem Christophorus Flugrettungsverein wurde als optimale Lösung ein Neubau des Stützpunktes am Flugplatz Krems-Langenlois beschlossenDie Bauarbeiten haben im Juni 2014 begonnen.


Der neue Heliport, am Flugplatz Krems-Langenlois wird im typischen Christophorus-Look errichtet. Neben einem gemütlichen Aufenthalts- und Ruheraum wird es auch einen eigenen Bürotrakt und natürlich die entsprechenden sanitären Anlagen geben. Der neue Heliport wird über eine eigene Betankungsanlage verfügen. Ein Anflugfeuer und Platzbeleuchtung ermöglichen auch den Anflug bei einbrechender Dunkelheit, wenn der Einsatz einmal länger gedauert hat. Die Gesamtbaukosten von rund 900.000 Euro teilen sich das Land Niederösterreich und die ÖAMTC-Flugrettung.

Am 30. Jänner 2015 ist Christophorus2 auf seinen neuen Stützpunkt am Flugplatz Gneixendorf umgezogen. Die Mannschaft war Stützpunktleiter Cpt. Günter Grassinger, HCM Christian Windbrechtinger und Notarzt Dr. Robert Mosser