Die ÖAMTC-Flugrettung

Der ÖAMTC ist seit jeher eine Hilfsleistungsorganisation. Schon seit langer Zeit werden die Pannenfahrer als "Gelbe Engel" bezeichnet. Die Hilfe aus der Luft in Form der Christophorus-Notarzthubschrauber war daher die logische Weiterentwicklung vom Bild des helfenden "Gelben Engels".

 

Nicht, den Patienten so schnell wie möglich ins Krankenhaus, sondern das Spital, also den Notarzt, so schnell wie möglich zum Patienten bringen - diese Grundsätze der modernen Notfallmedizin standen 1983 Pate für die Installierung der ersten ÖAMTC-Notarzthubschrauber. Heutzutage ist das österreichische Rettungswesen ohne die notärztliche Hilfe aus der Luft nicht mehr vorstellbar. Vor 30 Jahren bedurfte es aber lautstarker Worte des Tiroler Universitätsprofessors Dr. Gerhard Flora, der die damals untragbare Situation an den Pranger stellte und den ÖAMTC damit zum Handeln animierte.

 

Am 1. Juli 1983 stand der erste Notarzthubschrauber Österreichs, "Christophorus 1", am Innsbrucker Flughafen bereit. Dann ging es Schlag auf Schlag. 1985 sorgte der Rettungshubschrauber-Pool des Innenministeriums und des ÖAMTC für eine flächendeckende Versorgung. Die Berufsbilder Notarzt und Notfallsanitäter wurden geschaffen. 2001 übernahm der Christophorus Flugrettungsverein dann auch die Stützpunkte des Innenministeriums. Am 23. Juli 2002 wurde mit Christophorus Europa 3 im bayerisch/oberösterreichischen Grenzgebiet der erste von zwei Staaten betriebene Notarzthubschrauber in Dienst gestellt. Mit Christophorus 15 in Ybbsitz im westlichen Niederösterreich (25. Juni 2005) und Christophorus 16 in Oberwart (offizielle Inbetriebnahme: 1. Jänner 2006) hat die ÖAMTC-Flugrettung ihren heutigen Ausbaustand von 16 ganzjährigen Stützpunkten erreicht. Aufgrund der explodierenden Kosten wurden die Assistenzverträge mit dem Innenministerium mit Wirkung Ende 2010 aufgekündigt. Mit Jahresanfang 2012 ist es gelungen, für alle neun Bundesländer Lösungen auszuarbeiten, die die Flugrettung mittelfristig auf finanziell sichere Beine stellen.

 

Bis heute ist die ÖAMTC-Flugrettung rund 249.000 Einsätze geflogen. Menschenleben konnten gerettet werden und viele haben sich durch die rasche und kompetente Intervention der Hubschraubercrews bleibende gesundheitliche Schäden oder lange Rehabilitationsaufenthalte erspart.

 

Finanzierung der Flugrettung in Österreich

 

Mit Jahresanfang 2012 ist es nach mehr oder weniger turbulenten Jahren gelungen, für alle neun Bundesländer Lösungen auszuarbeiten, die die Flugrettung mittelfristig auf finanziell sichere Beine stellen. Konstruktive Verhandlungen aller involvierten politischen Verantwortungsträger, Institutionen und Organisationen haben in jedem Bundesland zu einer Lösung im Sinne der betroffenen Menschen geführt. So berücksichtigen die Lösungen der Länder Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Salzburg auch andere Flugrettungs-Betreiber.

 

Auch wenn es nun für jedes Bundesland eine eigene Lösung gibt, haben dennoch alle eine Gemeinsamkeit. Tragende Säule jeder Lösung, wie auch immer sie gestaltet ist, ist die soziale Verträglichkeit. Das heißt, dass Patienten mit der einzigen Ausnahme von Sport- und Freizeitunfällen im alpinen Bereich, keine Kosten für einen Hubschraubereinsatz entstehen.

 

Auch die Eckpunkte der Finanzierung sind überall gleich. Die Sozialversicherungsträger leisten einen Kostenbeitrag in Form einer Pauschale je Einsatz. Nicht nur dass diese aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen lediglich rund 30 Prozent der tatsächlichen Einsatzkosten abdeckt, erfuhr sie in den vergangenen sieben Jahren nicht einmal eine Indexanpassung. Auch der ÖAMTC selbst investiert jedes Jahr einen Euro pro Mitglied in seine Flugrettung. Neu seit Anfang des vergangenen Jahres ist, dass die verbleibende Differenz durch die Bundesländer ausgeglichen wird, sodass der ÖAMTC nicht mehr auf einem Abgang in Millionenhöhe sitzen bleibt.

 

Zusätzlich ist in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Salzburg eine weitgehende Einbindung privater Betreiber in die öffentlichen Systeme gelungen, sodass von einer flächendeckend gleichen Behandlung der Patienten ausgegangen werden kann - auch in der Abrechnung.

 

Was jedoch den Ländern eine sorgfältige Budgetierung der Kosten für die Flugrettung erschwert, sind die Sozialversicherungsträger. Einerseits entscheidet der Chefarzt der jeweiligen Krankenkasse erst im Nachhinein, basierend auf Spitalsbefunden, ob der Einsatz eines Notarzthubschraubers überhaupt erforderlich war. Auf diesem Weg wird die Kostenvergütung für rund ein Drittel aller Einsätze abgelehnt. Andererseits gibt es auch seitens der Dachorganisation keine klare Vorgabe für die Kostenübernahme. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Einsatz, der beispielsweise von einer der 22 Versicherungsanstalten ohne Wenn und Aber bezahlt wird, einer anderen keinen Cent wert ist.

 

Abgesehen von einer Finanzierung aus einer Hand, fehlt es in Österreich auch an klaren Vorgaben bezüglich der Stützpunktausstattung sowie an einer eindeutigen Interpretation der europäischen und nationalen Luftfahrtbehörden bezüglich der einsetzbaren Hubschraubertypen für den HEMS-Betrieb.

 

Zahlen – Daten – Fakten

 

Wie viele Hubschrauber hat die ÖAMTC-Flugrettung?

Der Christophorus Flugrettungsverein (CFV) als gemeinnütziger Verein betreibt 16 Ganzjahresstandorte und verfügt dafür über 18Hubschrauber. Im Winter kommen sechs Winterstandorte hinzu. Diese werden gemeinsam mit Partnern unter dem Namen HeliAmbulanceTeam (HAT) betrieben.

 

Wie viele Einsätze fliegen die Christophorus-Hubschrauber pro Jahr?

2011 flogen die Hubschrauber der Christophorus-Staffel 16.099, 2012 waren es 15.589 Einsätze.

 

Wie wird ein Notarzthubschrauber alarmiert?

Der Hubschrauber kann nicht direkt vom Notrufmelder angefordert werden. Die Anforderung der Notarzthubschrauber erfolgt über den Notruf 144 und somit über die Einsatzleitzentralen des Österreichischen Roten Kreuzes bzw. in Wien über die Wiener Rettung sowie in Niederösterreich und Tirol über Landesleitstellen. Die Entscheidung, welches Rettungsmittel zum Einsatz kommt, trifft der Leitstellendisponent auf Basis der Schilderungen beim Notruf.

 

Wer trifft die Entscheidung, ob ein Hubschrauber entsendet wird?

Diese Entscheidung trifft immer eine vom ÖAMTC unabhängige Leitstelle. Einzig bei Wetterbedingungen, die keine Einsatzflüge zulassen, trifft der Pilot die Entscheidung, nicht zu fliegen.

 

Wann ist der ÖAMTC-Notarzthubschrauber einsatzbereit?

Die Crews befinden sich täglich von Beginn des Sonnenaufgangs bis zum Ende des Sonnenuntergangs in permanenter Einsatzbereitschaft am jeweiligen Stützpunkt. Bei Alarmierung zu einem Primäreinsatz startet der Hubschrauber innerhalb von drei Minuten.

 

Wie viele Mitarbeiter hat die ÖAMTC-Flugrettung?

48 Piloten

38 Mitarbeiter in Wartung und Technik (HeliAir)

33 Mitarbeiter in Verwaltung, Verrechnung und Ground Operation

296 Ärzte

162 Flugrettungssanitäter

 

Was kostet ein Rettungshubschrauber?

Ein EC 135 kostet mit kompletter Ausrüstung derzeit neu ca. 4,2 Millionen Euro

 

Wie wird gewartet?

Sicherheit wird beim CFV groß geschrieben – daher werden die Hubschrauber nach modernen Programmen, die behördlich genehmigt sein müssen, im Schwesterunternehmen HeliAir laufend gewartet und überprüft. Damit die Maschinen täglich einsatzbereit sind, werden viele der notwendigen Servicearbeiten auch in der Nacht durchgeführt.

 

Wie teuer ist die Wartung der Hubschrauber?

Ein Beispiel: Eine 400-Stunden-Kontrolle (durchschnittlich einmal jährlich pro Hubschrauber fällig) kostet bis zu 94.000 Euro – Ersatzteile nicht eingeschlossen.

 

Rentiert sich ein Hubschraubereinsatz?

Notfallrettungs-Einsätze durch einen Hubschrauber haben neben der rein humanitären Seite auch einen nicht zu unterschätzenden volkswirtschaftlichen Aspekt. Allein die Folgekosten, die durch einen erfolgreichen Einsatz verhindert werden, rechtfertigen schon den Aufwand dieser Einsätze.

 

Der rasche Einsatz der Christophorus-Notarzthubschrauber erspart nicht nur viel menschliches Leid, sondern lässt sich auch ganz nüchtern in Zahlen ausdrücken. Jeder Euro, der in die Luftrettung investiert wird, bringt einen mehr als doppelt so großen volkswirtschaftlichen Nutzen (Prof. Dr. Herbert Baum, Uni Köln). In anderen Zahlen: Ein Christophorus-Einsatz kostet im Schnitt rund 3.000 Euro. Durch die kürzere Behandlungsdauer im Spital (inkl. kürzerer Aufenthalte in den teuren Intensivstationen, frühere Rückkehr ins Arbeitsleben, eingesparte Renten, etc.) fließt mehr als das Doppelte in die Volkswirtschaft zurück.

 

Ist die Flugrettung ein Geschäft (inkl. der kommerziellen Betriebe)?

Nein, wenn man wie der ÖAMTC täglich und das ganze Jahr über von früh bis spät fliegt und der überwiegende Teil der Einsätze über die Sozialversicherung abgerechnet wird. Die Sozialversicherung beurteilt die Notwendigkeit des Einsatzes Wochen, mitunter Monate nachher und das vom "grünen Tisch" aus, d.h. viele Einsätze werden gar nicht bezahlt. Außerdem zahlen die Krankenkassen nicht die Erstversorgung vor Ort, sondern nur den Transport ins Krankenhaus – und da nur einen pauschalierten Kostenbeitrag.

 

Ja, aber nur, wenn man sie ausschließlich während der Wintersaison in einem großen Schigebiet betreibt. Dort gibt es viele Einsätze mit kurzen Strecken, die von Privatversicherungen gedeckt werden. Die tatsächlichen Kosten werden mit Zuschlag verrechnet, um die Vorhaltekosten abzudecken.